Ratet mal, wer wieder Schuld hat, dass die Welt ein wenig unsicherer ist? Kommt ihr nie drauf, Edward Snowden natürlich! „Ein Held des globalen Terrorismus“. So antwortet Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild, auf einen Tweet von Konstantin von Notz, dem Obmann der Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss.

An dieser Stelle sei völlig ohne Wertung die These in den Raum gestellt, dass Qualitätsjournalismus eine Form der publizistischen Arbeit ist, die man nicht zwangsweise mit dem Namen Julian Reichelt in Verbindung bringen kann.

Auf den besagten Tweet von Konstantin von Notz

antwortete er 33 Minuten später mit einem Screenshot einer markierten Textpassage aus dem Buch „The Great War of Our Time: The CIA’s Fight Against Terrorism“ und folgendem Kommentar:

„Ein Held des globalen Terrorismus“ – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…

In der markierten Passage heißt es:

ISIS is one of the terrorist groups that learned from Snowden, and it is clear that his actions played a role in the rise of ISIS. In short, Snowden has made the United States and our allies considerably less safe.

Nun sollte man über die Autoren des Buchs, Michael Morell und Bill Harlow, wissen, was sie so trieben, als sie noch kein Buch mit dem klangvollen Titel „The Great War of Our Time“ verfasst haben. Michael Morell hatte den Posten des stellvertretenden CIA-Directors inne und war zeitweise auch amtierender CIA-Direktor. Mitautor Bill Harlow war Sprecher bei der CIA. Zwei ehemalige Schwergewichte der CIA verfassen also ein Buch über den großen Krieg unserer Zeit, in dem sie unter anderem die Folter von Häftlingen verteidigen. (Der Spiegel hat die schlimmsten Schweinereien aus dem CIA-Folterbericht zusammengefasst.)

Mit Sicherheit ein Buch, in dem die Figur Edward Snowden recht eindimensional betrachtet wird. Aber für Reichelt die perfekte Quelle für seine ebenso eindimensionale Sichtweise auf Snowden. Wer sich jetzt fragt, wie sich Reichelt frei nach dem Motto seiner Zeitung seine Meinung bildet, darf auf die Reichelts weitere Kommentare im Tweet gespannt sein.

Mir jedenfalls bleibt nur übrig, mich der Meinung von Notz anzuschließen: