Deine SPD - Tweets mit magischer Soße

Durch einen Blogeintrag von Fefe bin ich heute auf den Twitter-Account @Deine_SPD aufmerksam geworden.

Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es dem Publikationsteam an der entsprechenden Sozialkompetenz fehlt. Die Tweets lesen sich wie die Reaktionen eines trotzigen Teenagers. Mitunter vielleicht zu Recht, denn die Redaktion muss sich nicht nur massenweise Kritik stellen, sondern auch niveaulosen Kommentaren und Anschuldigungen.

Kein Grund zwar, auf gleichem Niveau zu antworten. Aber ein guter Grund, damit zum Spaß die Prediction API von Apply Magic Souce zu füttern.

Apply Magic Sauce ist nach eigenen Angaben:

A personalisation engine that accurately predicts psychological traits from digital footprints of human behaviour.

Im Video eines älteren Artikel über Datenreichtum und -auswertung wird erörtert, wie die Software anhand weniger Facebook-Likes psychologische Profile des Nutzers erstellen kann. Die Genauigkeit des Profils einer Zielperson - es wurde mit einem Profil verglichen, das anhand der Aussagen nahestehender Freunde erstellt wurde) - war beeindruckend.

Für die Analyse habe ich einen Auszug von Tweets und Antworten erstellt. Insgesamt 19424 Bytes Text. Die Prediction API lieferte folgendes Ergebnis als JSON:

{
  "input_used": 19424,
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      "value": "0.37189999999999995"
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    },
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    },
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      "trait": "BIG5_Conscientiousness",
      "value": "0.4156"
    },
    {
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      "value": "0.2063391182545921"
    },
    {
      "trait": "BIG5_Extraversion",
      "value": "0.3763"
    },
    {
      "trait": "BIG5_Neuroticism",
      "value": "0.5499"
    }
  ],
  "contributors": [],
  "interpretations": [
    {
      "trait": "Leadership",
      "value": "0.396833601700271"
    },
    {
      "trait": "Jungian_Personality",
      "value": "ISTJ"
    }
  ]
}

Apply Magic Sauce interpretiert das Ergebnis auf der eigenen Webseite wie folgt:

Prediction Deine SPD - Age & Psychological Gender
Prediction Deine SPD - Age & Psychological Gender

Your digital footprint suggests that your online behaviour resembles that of a 20-24 years old

Die Vorhersage prognostiziert der Redaktion ein Alter von 22, mit 79% Wahrscheinlichkeit männlich. Die treibende Kraft hinter den Tweets scheint also kein Teenager mehr zu sein.

Interessant wird es bei der Analyse der Persönlichkeit:

Prediction Deine SPD - Big 5 Personality
Prediction Deine SPD - Big 5 Personality

Openness to experience describes a dimension of personality that distinguishes imaginative, creative people from down-to-earth, conventional people.

Your digital footprint suggests that you dislike needless complexity, and prefer the familiar over the unusual. You might say that you are more conservative than many, but not to an extreme level, and that you value practical outcomes over flighty imagination.

Conscientiousness concerns the way in which we control, regulate, and direct our impulses.

Your digital footprint suggests that you are random and fun to be around but can also plan and persist when life requires it. It appears that depending on the situation, you can make quick decisions or deliberate for longer if necessary.

Extraversion is marked by pronounced engagement with the external world, versus being comfortable with your own company.

Your digital footprint suggests that you are similar to people who prefer low-key social occasions, with a few close friends. You might say that it’s not that you are afraid of large parties; they’re just not that fun for you.

Agreeableness reflects individual differences in concern with cooperation and social harmony.

Your digital footprint suggests that you can find it difficult to get along with others when you first meet them. You might be suspicious of others’ motives in this situation. It also looks like people warm to you over time, and you to them, although that doesn’t stop you telling them “how it is”.

Neuroticism refers to the tendency to experience negative emotions.

Your digital footprint suggests that you are generally calm. You come across as someone who can feel emotional or stressed out by some experiences, but your feelings tend to be warranted by the situation.

Prediction Deine SPD - Leadership Potential & Jungian Personality Type
Prediction Deine SPD - Leadership Potential & Jungian Personality Type

Introverted Sensing Thinking Judging

ISTJs thrive on organisation. They keep their lives and environments well-regulated. They bring painstaking attention to detail in their work and will not rest until satisfied with a job well done. ISTJs are faithful, logical, organized, sensible, and earnest traditionalists. They earn success by thoroughness and dependability. Shutting out distractions, they take a practical, logical approach to their endeavors. Realistic and responsible, they work steadily toward their goals. They enjoy creating order in both their professional and personal lives.

ISTJs are persons of thoughts and (sometimes) emotions. They prefer dealing with the present and factual, using various options to make decisions.

Immerhin, das Profil von Apply Magic wirft ein recht moderates Licht auf @Deine_SPD, diagnostiziert eine Persönlichkeit mit den üblichen Stärken und Schwächen, nichts Außergewöhnliches.

Dennoch komme ich beim Lesen der Tweets nicht umhin, den kindlich-trotzigen Unterton zu bemerken, der einem wenig professionellen Sarkasmus geschuldet ist. Auch ich konnte, genau wie Fefe, beim ersten Durchlesen nicht deuten, ob es die Redaktion es ernst meint, oder ob sich um einen Satire-Account handelt.

Wie auch immer, weniger Publikumsbeschimpfung, dafür mehr Professionalität stünde den Tweets gut. Es ist ja nicht so, als gäbe es seitens der AfD nicht ausreichend Negativbeispiele, die aufzeigen, wie man (politisch) unkorrekt twittert.

Ballot selfies

Ballot selfie – Selfie im Wahllokal
Ballot selfie – Selfie im Wahllokal

Heute haben die Amerikaner die Wahl – zwischen Pest und Cholera.

Was ich bis dato nicht wusste: Anscheinend gibt es den Trend der „ballot selfies“. Das sind Selfies aus dem Wahllokal, um seiner Umwelt mitzuteilen, dass man auch den richtigen Kandidaten gewählt hat. Dumm nur, dass man sich damit in einigen Bundesstaaten strafbar macht. So auch Eric Trump, der ein Selfie seiner Wahl twitterte (und löschte).

Liebe Wähler in Amerika, mal ehrlich: ballot selfies, seid ihr behämmert? Ist es nicht schon schlimm genug, dass ihr im Grunde genommen keine Wahl habt?

Welcome to Jekyll!

Wordpress ist ja an und für sich eine feine Sache, aber auf die Dauer nervend. Neben PHP und MySQL braucht es noch einiges, um einen Blog stabil am laufen zu halten. Ich persönlich habe Wordpress weitestgehend abgedichtet mit Akismet und iThemes Security. Dennoch sprechen die Logfiles für sich: Taglich Spam und tonnenweise Hack-Versuche. Ich bin es leid!

Die beste Alternative bietet mir Jekyll: Keine Datenbank, kein PHP, kein Overhead. Einfach seine Posts in Markdown schreiben und über Git publizieren. (Wer möchte, kann sich ja den Quellcode dieser Seiten mal in Ruhe bei GitHub ansehen.)

Zugegeben, für’s erste ist das sehr gewöhnungsbedürftig. Allerdings erhält man genau das, was man braucht: Gutes, altes HTML. Lädt schnell, ist beständig und unangreifbar.

Im Gedenken an die Opfer in Belgien und der Türkei

Belgien
Belgien

Heute starben bei Anschlägen im Land der großartigsten Comiczeichner viele Menschen. Und in den vergangenen Wochen mussten bei Anschlägen in der Türkei immer wieder viele Unschuldige ihr Leben lassen. Mein Mitgefühl gilt allen Familien und Freunden der Opfer.

Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen.

Sir Peter Ustinov

Lasst Euch nicht vom Hass leiten, bleibt stark, bleibt frei und vergebt einander!

Refugees welcome!

Quelle: Youtube. https://youtu.be/tBHMzCOn2Sk

Das Erstaufnahmelager in Schweinfurt platzt aus allen Nähten. Daher müssen jetzt die Kommunen Mithilfe leisten. In Würzburg wurden bereits einige Erstaufnahmelager eingerichtet, seit dem 02.09. bietet die Kürnachtalhalle in Lengfeld vorübergehend Zuflucht für 200-300 Flüchtlinge. Diese Menschen sind jetzt meine Nachbarn.

Die Tage zuvor

Bereits seit Tagen läuft ein Sicherheitsdienst Runden um die Kürnachtalhalle, keiner weiß genau, warum. Endlich ein Nachbar, der mich aufklärt. Er fragt mich, wie ich das finde, dass hierher Flüchtlinge kommen. Bis zu 300 Menschen, ein Stadtteil wie Lengfeld sollte das locker verkraften, meint er. Ich freue mich, dass er so offen ist und keine Angst zeigt. Erwidere, dass ich das gut finde, und auch er ist erleichtert über meine Reaktion. Angesichts der Tatsache, dass etliche Flüchtlinge im Stadtteil Zellerau in einem Zelt ausharren müssen, bin ich froh, dass sie hier wenigstens ein ordentliches Dach über dem Kopf haben werden.

Bürgerversammlung am Vorabend

Der Oberbürgermeister und einige Stadträte laden zur Bürgerversammlung im ökumenischen Zentrum ein. Der kleine Saal ist berstend voll und auf der Suche nach einem Platz schnappt man den einen oder anderen Gesprächsfetzen auf. Gemischte Meinungen, gemischte Gefühle.

Endlich die ersten Worte des Bürgermeisters nach der Begrüßung. Er entschuldigt sich zunächst, warum alles so kurzfristig geschehen ist, und warum erst so spät informiert wurde. Dann die Fakten: Morgen kommen die ersten 100 Flüchtlinge an, am nächsten Tag ungefähr weitere 200. Die meisten stammen aus Syrien, einige aus Afghanistan. Also direkt aus dem Kriegsgebiet. Sie kommen aus Schweinfurt, da das dortige Aufnahmelager hoffnunglos überfüllt ist. Nach weiteren Details und einem großen Dankeschön an die Helfer, die in sehr kurzer Zeit gewaltige Aufbauarbeit geleistet haben, stellt sich das Podium den Fragen.

Die erste Meldung überrascht mich: Ein Mann fragt, ob unter den Syrern Christen sind und bietet diesen seine Hilfe über eine christliche Organisation an. Viele im Saal freuen sich wie ich über die Aufnahmebereitschaft, und doch frage ich mich, warum zwischen Christen und Muslimen unterschieden wird. Unabhängig ihrer Religion sind sie alle Geschöpfe Gottes und alle bedürfen unserer Hilfe.

Die zweite Frage drückt die Hilflosigkeit einiger Anwohner aus, die mit der Situation überfordert sind: „Wir haben Angst.“ Die Frau neben mir lacht. Meint, die Dame hätte immer Angst, egal um was es sich handelt. Dennoch eine berechtigte Frage, die der Bürgermeister beschwichtigen kann. In einer Folgefrage gestaltet sich das dann allerdings schwieriger. Eine Frau berichtet von den Problemen Mainstockheim, die mit dem Flüchtlingslager dort verbunden sind. Dort gab es Schlägereien, Pöbeleien, und Flüchtlinge, jungen Mädchen belästigt haben. (Mir sind die Probleme bekannt, denn eines dieser Mädchen ist die Tochter von Freunden von uns. Allerdings muss ich sagen, dass in diesem Fall definitiv die Behörden versagt haben. Es handelt sich hierbei um vier Männer aus Albanien, die für die Probleme verantwortlich sind. Und diese hätten rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden müssen.) Der Bürgermeister beruhigt und verweist auf die Security vor Ort und die Möglichkeit, die Polizei zu rufen, wie man es üblicherweise bei solchen Situationen machen sollte. Dennoch hinterlässt die Frage eine gedrückte Stimmung im Saal. Die Zweifler beginnen mehr zu zweifeln, die Befürworter sich mehr über die Gegner aufzuregen.

Dann eine Zwischenmeldung, die so bizarr ist, dass sich die Lage wieder etwas entspannt. Ein Mann berichtet zunächst von seinen regelmäßigen Besuchen im Dallenbergbad, was ja an seiner Bräune zu sehen sei. Dann darüber, dass etwa zwanzig Flüchtlinge mit einem Betreuer ins Becken gesprungen seinen, aber abgesehen vom Betreuer keiner schwimmen konnte. Angeblich sollten sie schwimmen lernen. Und wie man gedenkt, solch gefährliche Situationen zu vermeiden. Sichtlich verdutzt und mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen versucht einer im Podium den Beitrag zu verstehen und zu beantworten.

Recht spät, aber endlich kommen dann die Fragen, wie man konkret helfen könne, unterbrochen von einigen First World Problems. Denn einige, die seit 30 Jahren die Kürnachtalhalle für ihre sportliche Freizeit nutzen, fragen sich wie sie denn in den kommenden sechs bis acht Wochen ihren Sport aufrechterhalten können. An der Reaktion im Publikum zeichnet sich ab, dass die Mehrheit der Lengfelder hinter der Entscheidung des Stadtrats steht und den Flüchtlingen gegenüber positiv eingestellt ist.

Schlussendlich findet ein Mann die passenden Worte. Er erzählt, wie es in der Halle aussieht. Eine endlose Reihe Feldbetten, provisorisch mit etwas Sichtschutz voneinander abgetrennt. Kaum eine Möglichkeit für etwas Privatsphäre. Kaum ein Ort, den man einer Familie zumuten kann. Und er erinnert daran, was für Menschen hierher kommen. Menschen, die einen Krieg überlebt haben. Was sie erlebt haben müssen. Er erinnert daran, dass wir uns glücklich schätzen müssen seit 70 Jahren in Frieden leben zu dürfen. Dass unsere Probleme bedeutungslos sind in Hinblick auf das, was diese Menschen möglicherweise erdulden mussten. Dass wir in der Pflicht sind, den Menschen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Und er hofft, dass allen, die hier vorübergehend Zuflucht finden, Lengfeld immer als einen herzlichen Ort in Erinnerung behalten werden.

Spätestens nach dem tosenden Applaus ist mir klar, dass unsere Gemeinschaft in Lengfeld genau das schaffen kann. Und trotz der Freude darüber treibt es mir heute zum wiederholten Mal die Tränen in die Augen. Auch ich konnte am Nachmittag einen Blick in die Halle werfen. Dort werden alle die nächsten Wochen auf engstem Raum miteinander leben müssen. Mir ist klar, dass das für die benötigte Kapazität nicht anders möglich ist, aber der Anblick der Feldbetten hat mich nah am Wasser bauen lasen. Ein Hund im Zwinger hat in Deutschland gesetzlich Anspruch auf mehr Platz.

Ich bedanke mich bei dem Mann für seine Worte, und der Abend endet mit seiner Einladung auf ein Bier, der ich dankend nachkomme.

Sehenswert: „Daten her! Was Du im Netz wert bist…“

Endlich mal ein vernünftiger Beitrag des WDRs über das, was den Einzelnen im Netz so wertvoll macht: Daten her! Was Du im Netz wert bist…

Eigentlich wollte ich schon letzte Woche direkt nach der Sendung auf diesen Beitrag aufmerksam machen, allerdings gestaltete sich der Umgang mit der WDR Mediathek etwas schwieriger als geplant. Im Beitrag geht es unter anderem um Webtracking, also das Aufzeichnen und Auswerten von Nutzerverhalten im Internet. Ironischerweise ist die Mediathek selbst mit einigen dieser Tracker bestückt, und beim Versuch, das Video ohne das ganze Web Analytics-Geraffel zu streamen, gab es etliche Probleme.

Jetzt hat der WDR den Beitrag auf Youtube gestellt. Die benutzen selbstverständlich auch Tracker, aber wenigstens kann man das Video vernünftig ansehen, geschweige denn einbetten:

Quelle: Youtube. https://youtu.be/l_4HdqMUPsE

Was ich wirklich gut an dem Beitrag finde, ist allem voran: Es wird keine Panik gemacht! Das will heutzutage schon viel heißen. Ganz im Gegensatz zu den Vertretern der Vorratsdatenspeicherung, die mit Argumenten der Angst versuchen, den Bürger davon zu überzeugen, dass er besser behütet sei, je mehr der Staat über in Erfahrung bringen kann, versucht der Beitrag die digitale Realität mit Humor wirken zu lassen.

Diese Realität ist nicht nur auf das reine Tracking von Nutzerverhalten und Standortdaten beschränkt. Es wird anhand eines Experiments gezeigt, dass Algorithmen die Psychologie einer Zielperson annähernd genauso gut einschätzen können, wie es dessen Freunde können. Der kleine, aber feine Unterschied zwischen Algorithmus und Freund ist, dass sich der Algorithmus nicht auf persönliche Erfahrungswerte stützt, sondern sich auf wenige Fakten beschränkt; im Experiment sind das die „Likes“, die die Versuchspersonen auf Facebook abgeben.

Weiter berichtet wird über eine Tablet-Software, die Mimik und Stimme auswertet, und die dahinter liegende Vision des Internets als emotionalen Raum:

Die Technologie kennt Dich. Das Tablet verfolgt deine Stimmung und merkt wie du drauf bist. Und dann kann es den Inhalt persönlich auf dich abstimmen, zugeschnitten auf dein emotionales Profil. […] Also die Technik kann dich überzeugen, dein Verhalten zu ändern.

Zurück von der Vision in die Realität geht es weiter mit der Auswertung von Standortdaten. Viele Apps verdienen ihr Geld damit, Standortdaten mit anderen Daten zu korrelieren und die gewonnenen Daten zu verkaufen. Wenn man Glück hat, dann „nur“ an die Werbeindustrie oder immerhin sogar anonymisiert. Welche Folgen das hat, erläutert David Vladeck im Interview:

Wenn es nur um das Geld, nur um die Werbung gehen würde, das wäre weniger problematisch. Aber wenn es dazu übergeht, individuelle Entscheidungen über jemanden zu treffen, darüber, welche Produkte jemand zu welchem Preis und zu welchen Bedingungen bekommt, dann wird es problematisch.

Problematisch ist vor allem die digitale Realität: Je nachdem, von welchem Gerät oder sogar von welchem Ort aus ein Benutzer etwas sucht, werden ihm unterschiedliche Preise für ein und dieselbe Leistung oder dasselbe Produkt angeboten. Im Beitrag werden einige Beispiele genannt.

Welche teils bizarren Auswirkungen die Datensammelwut sonst noch mit sich bringt, wird ebenfalls anhand einiger Beispiele erläutert: Etwa die Kreditunwürdig aufgrund des Einkaufverhaltens (der Betroffene kaufte in Läden ein, in denen andere Kunden gegenüber American Express eine schlechte Zahlungsmoral hatten), oder eine nicht zu bewerkstelligende Buchung bei Airbnb, da die Kundin zu wenig Freunde auf Facebook hatte. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen… Airbnb lehnte die Buchung ab, weil die Kundin mit weniger als 100 Freunden bei Facebook praktisch für Airbnb digital nicht existierte. Die Lösung: Ein Video, in der die Kundin erklärten sollte, wer sie ist! Hallo?!? Ein Video mit Selbsterklärung! Ja wo sind wir denn? Mich würde mal interessieren, wie andere Scoring-Unternehmen mit den Umkehrschluss auswerten: Wenn Du bei Airbnb buchst, dann hast Du mehr als 100 Freunde bei Facebook. Da könnte durchaus die ein oder andere Werbung bei Facebook auftauchen…

Michael Fertik schließt den Beitrag mit ein passenden Resümee:

[…] Und es werden Entscheidungen über dich getroffen von Menschen, die du nicht kennst, von denen du nie etwas erfährst, ohne, dass du es mitbekommst.

Zum Beispiel bekommen Weiße und Schwarze in Amerika ein unterschiedliches Internet angezeigt. Sie sehen andere Dinge. Arme und reiche Menschen sehen ein anderes Internet. Das weißt du nicht, weil du dich nur in deiner eigenen Blase bewegst.

[…] Aber wir sehen unterschiedliche Internets, basierend auf den Daten, die wir im Laufe unseres Lebens hinterlassen.

Und mit einem Argument, das am Ende vielleicht doch ein wenig Panik macht:

Das aufregendste, aber auch erschreckendste Szenario für die Zukunft: Jeder Teil deines Lebens wird bewertet. […] Und alle diese Dinge werden permanent ausgewertet. Von Menschen, aber immer mehr auch von Maschinen.

Hintergrundinformationen:

Ein Tweet, Edward Snowden und Antworten auf unterstem Niveau

Ratet mal, wer wieder Schuld hat, dass die Welt ein wenig unsicherer ist? Kommt ihr nie drauf, Edward Snowden natürlich! „Ein Held des globalen Terrorismus“. So antwortet Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild, auf einen Tweet von Konstantin von Notz, dem Obmann der Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss.

An dieser Stelle sei völlig ohne Wertung die These in den Raum gestellt, dass Qualitätsjournalismus eine Form der publizistischen Arbeit ist, die man nicht zwangsweise mit dem Namen Julian Reichelt in Verbindung bringen kann.

Auf den besagten Tweet von Konstantin von Notz

antwortete er 33 Minuten später mit einem Screenshot einer markierten Textpassage aus dem Buch „The Great War of Our Time: The CIA’s Fight Against Terrorism“ und folgendem Kommentar:

„Ein Held des globalen Terrorismus“ – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…

In der markierten Passage heißt es:

ISIS is one of the terrorist groups that learned from Snowden, and it is clear that his actions played a role in the rise of ISIS. In short, Snowden has made the United States and our allies considerably less safe.

Nun sollte man über die Autoren des Buchs, Michael Morell und Bill Harlow, wissen, was sie so trieben, als sie noch kein Buch mit dem klangvollen Titel „The Great War of Our Time“ verfasst haben. Michael Morell hatte den Posten des stellvertretenden CIA-Directors inne und war zeitweise auch amtierender CIA-Direktor. Mitautor Bill Harlow war Sprecher bei der CIA. Zwei ehemalige Schwergewichte der CIA verfassen also ein Buch über den großen Krieg unserer Zeit, in dem sie unter anderem die Folter von Häftlingen verteidigen. (Der Spiegel hat die schlimmsten Schweinereien aus dem CIA-Folterbericht zusammengefasst.)

Mit Sicherheit ein Buch, in dem die Figur Edward Snowden recht eindimensional betrachtet wird. Aber für Reichelt die perfekte Quelle für seine ebenso eindimensionale Sichtweise auf Snowden. Wer sich jetzt fragt, wie sich Reichelt frei nach dem Motto seiner Zeitung seine Meinung bildet, darf auf die Reichelts weitere Kommentare im Tweet gespannt sein.

Mir jedenfalls bleibt nur übrig, mich der Meinung von Notz anzuschließen:

Heute bei iTunes

Ein neues Medium im iTunes-Store:

Tunes – TV Sendu(n)gen
Tunes – TV Sendu(n)gen

Einmal mit Profis arbeiten… ;-)

Äpfel für 1.449 € das Kilo

Habe ich mich doch erst vor Kurzem gefragt, wohin Apples Reise geht, prompt kam beim letzten Apple Event am Montag die Antwort. Von Tim Cook höchstpersönlich. Er stellt das neue MacBook mit den Worten vor:

Can you see it? I can’t even feel it.

Soll heißen, Sir Jonathan Ive hat es mal wieder geschafft, die nächste Generation des Notebooks schlanker, kleiner, leichter und „absolutely gorgeous“ zu machen. Okay, ein Gewicht von unter einem Kilo ist schon eine tolle Sache, aber die dazu notwendigen Einsparungen und der Preis sind ein Schlag in die Fresse:

Das MacBook besitzt genau einen USB-C-Port und einen Anschluss für Kopfhörer. Sonst nichts. Der USB-Eingang dient zum Aufladen, bedient ein externes Medium über USB 3.1 oder einen Bildschirm über separat erhältlichen VGA- bzw. HDMI-Adapter. Schließt Du also eine externe Festplatte an oder einen Bildschirm an, dann hat es sich ausgeladen. Geht’s noch?

Unerklärlich, warum die iPhones immer größer werden, der Rest immer kleiner mit immer schlechterer Ausstattung. Man beachte, dass sogar die Kamera mit 480p schlechter ist als die HD-Kamera des iPhones. Eine mögliche Erklärung habe ich erst Dank Olli via Schlecky Silberstein gefunden:

Quelle: Youtube. https://youtu.be/KHZ8ek-6ccc

Immerhin, das neue MacBook lässt sich jetzt auch in den klassischen iPhone-Farben kaufen. Was für eine Innovation! Tosender Applaus im Publikum, und ich frage mich, warum überhaupt einer klatscht.